Die Besteigung des kleinen Daumen war von mir eher spontan geplant. Wenn man es überhaupt geplant nennen kann 😉

Es waren zwei sehr stressige Tage, die ich mit der Anreise bis nach Hinterstein verbringen musste. Kein Hotel – kein Netz und kein Bus mehr. Aber davon könnt ihr noch in einem anderen Beitrag lesen 🙂

Nach der ersten Nacht in der Schwarzenberghütte entschied ich mich dazu den kleinen und den großen Daumen zu besteigen! Am Abend vor der Besteigung lernte ich in der Hütte zwei sehr nette Wanderer kennen, welche die Tour schon selber gegangen sind und sie mit mir auf einer Karte geplant haben.

Bei der Planung war ich ein wenig verwundert, als ich gesehen habe, dass der kleine Daumen schwieriger sein sollte als der große Daumen. Das soll vor allem an dem Gipfelgrat liegen, der an einigen Stellen ziemlich exponiert ist!

Nach ein wenig überlegen, ob ich den kleinen Daumen auch besteigen sollte, gab uns der Hüttenwirt grünes Licht für’s Wetter. Dadurch stand für mich fest, dass ich die Tour unter einer Bedingung gehen würde.

Sobald ich ein schlechtes Gefühl bekomme , das Wetter umschlägt oder der Weg zu schwierig ist, werde ich umdrehen.

Unter diesen Voraussetzungen gehe ich die meisten Solo Touren, da ich mir so relativ sicher sein kann, dass ich mich dabei nicht überschätzen werde!

Steiler Weg aber schöner Sonnenaufgang

Wir (die zwei netten Wanderer und ich) starteten also von der Schwarzenberghütte aus. Um 6:00 Uhr klingelte der Wecker und um 6:30 Uhr waren wir alle drei pünktlich beim Frühstück. Dort gab es, so wie oft auf Berghütten,  Haferflocken mit Joghurt!

Nach dem Frühstück brachen wir um ca. 7:00 Uhr auf! Es dämmerte gerade noch. Die Gipfel des Giebels, des großen und des kleinen Daumens wurden aber schon von den Sonnenstrahlen beleuchtet und sahen aus wie riesige Feuerbälle!

Unter diesen Feuerbällen lag unser erstes Ziel. Der Engeratsgundsee. Der Weg dorthin war nicht wirklich schwierig. An einigen Stellen war es manchmal etwas steiler, aber sonst ging es nur über einen Pfad vorbei an Almwiesen bis zum See.

Die Aussicht war der Hammer. Zwischen den Wolken trat dramatisch die Sonne hervor und verwandelte die Berge in dunkle Riesen.

Auf dem Weg nach oben ging jeder sein eigenes Tempo. Keiner wollte den anderen hetzen oder ausbremsen. Dafür war die Atmosphäre einfach zu schön!

Der Weg zum Engeratsgundsee bahnt sich zuerst einmal ein kurzes Stück durch ein kleines Waldgebiet. Sobald man aus dem Wald rauskommt, geht man nur noch über weite Almwiesen, auf denen wir auch Murmeltiere und Gämsen gesehen haben bis nach oben zum See.

Die Strecke soll von der Schwarzenberghütte in ca. 1,5 Stunden zu schaffen sein. Wir haben sie aber auch schon in knapp 50 Minuten geschafft. Aber 1,5 Stunden ist eigentlich eine gute Zeit, die man dafür auch schonmal einplanen könnte.

Am See angekommen

Morgens um halb Acht am Sonntag war keiner auf dem Weg. Außer wir 🙂 Der See sah schöner aus als am Tag. Das Wasser war so glatt, dass man durch die Spiegelung den Unterschied zwischen Fels und Wasser fast nicht sehen konnte!

Am See konnten wir nochmal ein paar Minuten entspannen, da wir noch auf den dritten aus der Gruppe gewartet haben. Weil sich leider am See unsere Wege trennten, wollten wir uns dort nochmal verabschieden.

Für den einen ging es weiter zum Nebelhorn, der andere ging wieder zurück nach Bad Hindelang und mein nächstes Ziel war der kleine Daumen!

Vom See aus führte mein Weg aus in ca. 10 Minuten weiter bis zum Türle. Dem wahrscheinlich schönsten Fotospot am Engeratsgundsee!

Nach ein paar Bildern ging es erstmal auf Wiesen bis zum Grat, von dem aus ich eine tolle Aussicht auf den See und auf die nahezu gesamten Allgäuer Alpen hatte.

Hinter dem Grat begann das Geröll, ab dem es immer steiler wurde. Auf dem Weg lagen Felsen, zwischen denen ich durchgehen musste und es gab einige Trittstellen, die zur Sicherheit dienten.

Wegtrennung

Oben am Grat angekommen kann man sich entscheiden, ob man auf den großen-oder den kleinen Daumen gehen will. Nach links geht es auf den großen Daumen und nach rechts auf den kleinen Daumen.

Ich entschied mich erstmal dazu auf den kleinen Daumen zu gehen.

Der Weg auf dem Grat war schwierig. An manchen Stellen ging es links und rechts bestimmt hundert Meter nach unten. Dort muss jeder Schritt sitzen.

An einigen Stellen des Weges gibt es auch Drahtseilen, an denen man sich festhalten kann. Diese Seile gibt es aber nur an den wichtigsten und gefährlichsten Stellen und nicht über den ganzen Grat lang.

Nach einer ca. 150 m. langen Gratwanderung kam ich am Gipfel an. Die Aussicht war einfach nur toll.

Ich konnte bis zum Alpenrand sehen. Rechts von mir sah ich die schönen Allgäuer Berge und links von mir das Flachland 😉