Gletscherkurs

Wie starte ich am besten mit dem Bergsteigen? Eine Frage, die ich mir schon seit längerer Zeit stelle. Wenn man die Berge nicht vor der Haustür hat und dadurch auch niemanden kennt, der schon erfahren ist und eine spontane Hochtour machen kann, ist der Start in’s Bergsteigen schon sehr viel schwerer.

Vor meinem 15. Geburtstag überlegte ich mir, wer mir dabei helfen kann, den Schritt in’s alpine Bergsteigen und Hochtourengehen zu wagen und wer mir die wichtigsten Grundlagen dafür zeigen kann. Ich recherchierte im Internet, las mir Tourenberichte durch und stoß letztendlich auf einen Gletscherkurs.

Die Beschreibung sah vielversprechend aus. Steigeisen, Pickel und Gletscherspalten waren das Hauptaugenmerk des Gletscherkurses. Genau die Dinge, die man für eine echte Hochtour braucht. Auch ein wenig Knoten- und Wetterkunde standen auf der Liste.

Wie es nicht anders sein sollte, wünschte ich mir diesen Gletscherkurs zum Geburtstag. Mein vermutlich größter und aufregendster Wunsch, den ich je hatte. Meine Eltern, die beide genau so sehr die Berge lieben wie ich, stimmten dem Projekt zu und schenkten mir den Kurs zu meinem 15. Geburtstag. Danke nochmal 😉

Leider liegt mein Geburtstag schon „sehr spät“ im Jahr, unzwar Ende August.Vielleicht fragt sich jetzt der ein oder andere, warum August spät ist. Sind ja schließlich noch Vier Monate bis Jahresende. Das Problem war allerdings, dass in den Bergen der Herbst schon längst angefangen hat.

Eigentlich liebe ich ja auch den Herbst in den Bergen. Doch für Hochtouren wird es dann langsam zu spät, da schon im Herbst der erste Schneefall einsetzt, welcher dafür sorgen kann, dass Gletscherspalten vom Neuschnee überdeckt werden und dadurch sehr schwer zu finden sind.

Dachsteingletscher Gletscherkurs

Hier seht ihr unseren Bergführer, der uns immer alles gezeigt hat 😀

Trotzdessen war ich soo froh darüber, dass ich den Kurs geschenkt bekommen habe und er noch im Oktober, in unseren Herbstferien stattfinden konnte. Tag für Tag habe ich daran gedacht, bald auf dem Gletscher zu stehen und anschließend den Hohen Dachstein, welcher das Endziel des Gletscherkurses war, besteigen zu können.

Dann war es endlich soweit. Im Dreierpack fuhr ich mit meiner Mutter und meinem Bruder zum Dachstein. Zu unseren Gunsten waren wir schon einen Tag früher da, welchen wir dafür nutzten, gemeinsam auf den Dachsteingletscher hochzufahren und die wunderschöne Landschaft zu genießen.

Es war ein toller Tag, mit, wie man so schön sagt – Kaiserwetter. Wir mussten nicht einmal eine Jacke anziehen, sahen den Profiskifahrern beim Trainieren zu und wanderten anschließend zur Seethalerhütte auf 2740 m.

Schon dort merkte man an den herzlichen Menschen, dass wir in den Bergen angekommen sind. Auf der Hütte wollten wir zum Beispiel etwas trinken, hatten aber nicht mehr genügend Geld mit. Kurzerhand sagte uns der Hüttenwirt: Des moch ma scho“ und gab uns trotzdem etwas zum Trinken.

Das Geld gaben wir ihm natürlich unten im Hotel. Wer so nett ist, sollte auch belohnt werden, weshalb natürlich auch noch ein gutes Trinkgeld mit dabei war. Damit neigte sich dann der erste Tag am Dachstein auch schon so langsam dem Ende zu.

Am nächsten Morgen traf ich endlich den Bergführer und die anderen aus der Gruppe, die alle aus Österreich waren. Ich war der einzige Deutsche, was im Grunde kein Problem war doch manche Dinge wie „Uiwäu„, „Tscheafl“ oder „Tscheafl Taxi“ kamen mir dann vor als wäre ich in einem anz anderen Land 😉 Am ersten Tag kontrollierten wir die Ausrüstung und bekamen die Leihausrüstung, welche uns sogar gratis zur Verfügung gestellt worden war.

Wir wurden in die Zimmer aufgeteilt und ich bekam einen sehr netten Mitbewohner, welcher sich sehr für das Sportklettern interessierte und mir viel von der Dachstein Südwand erzählt hat. Ein bisschen Inspiration für neue Touren ist immer gut 😀 Insgesamt waren wir eine Gruppe mit Vier Teilnehmern, was sehr angenehm war, weil sich der Bergführer so um jeden kümmern konnte.

Am Abend setzten wir uns draußen auf die Terrasse, hatten einen wunderschönen Blick und lernten noch Dinge wie Wetterkunde, Karten lesen und Gletscherkunde. Dabei erzählte unser Bergführer immer wieder kleine Geschichten aus seinem Berufsleben am Berg, für die ich mich sehr interessiert habe.

Nach einem guten Abendessen, einer gemütlichen Runde am Tisch un einer guten Nacht, fuhren wir am nächsten Tag endlich wieder auf den Gletscher. Im Gegensatz zum ersten Tag, war es an diesem Morgen sehr kalt, windig und dazu gab es noch eine Menge Neuschnee.

Dachsteingletscher Gletscherkurs

Zuerst mussten wir zu unserem Platz laufen. Das war bei diesem Wetter schon eine Herausforderung!

Wir zogen an der Bergstation unsere Steigeisen an und konnten anschließend die ersten Schritte mit Steigeisen machen. Ein tolles Gefühl, wenn man auch an steilen Hängen im Schnee und Eis noch stehen kann.

In den nächsten Tagen lernten wir immer besser, wie man mit Steigeisen geht, welche Knoten man in’s Seil macht und wie man sich selber oder andere aus der Gletscherspalte rettet. Um die Spaltenbergung lernen zu können, gingen wir an den Rand einer Gletscherspalte und hatten dort für die nächsten Tage unseren Übungsplatz.

Um uns ein bisschen Freiraum geben zu können, durften wir uns dort sogar vom Seil lösen. Doch bevor wir das machen konnten, suchte unser Bergführer „Jochen“ den Platz nach weiteren Gletscherspalten ab. Mithilfe einer Sonde, wie man sie auch bei Lawinen verwendet, konnte er unter dem Neuschnee spüren, ob sich dort eine Spalte befinden würde oder nicht.

Der Platz war sicher und wir konnten das erste Mal die Spaltenbergung mache. Dafür baute unser Bergführer einen Standplatz und wir konnten am Rand in die Tiefe rutschen. Wie allerdings die Spaltenbergung funktioniert, habe ich mittlerweile leider wieder vergessen, weil sie so umfangreich ist und sehr viele Handgriffe benötigt. In den kompletten drei Tagen war das Wetter leider immer schlecht, als wir auf dem Gletscher waren, weshalb wir den hohen Dachstein leider auch nicht besteigen konnten…

Am letzten Tag war das Wetter so schlecht, dass wir zu einem Klettergarten gefahren sind, wo wir gelernt haben, wie man sich selber aus einer Gletscherspalte rettet. Trotz des schlechten Wetters hat der Gletscherkurs am Dachsteingletscher sehr viel Spaß gemacht und mir den Start in’s Hochtourengehen um einiges erleichtert. 

Wenn auch du jetzt mit dem Bergsteigen anfangen möchtest und einen Gletscherkurs im Visier hast, kann ich dir die Kurse von Freiluftleben auf jeden Fall sehr empfehlen, da alles super gut organisiert war und alles so abgelaufen ist, wie ich es auch erwartet habe.

Damit mir nicht zu kalt wurde, hatte ich immer ein T-Shirt, einen Pulli und eine Regenjacke an. Dazu hatte ich eine warme Hose und eine wasserdichte Hose an. Die Schuhe und Handschuhe sind unten verlinkt. Viel Spaß 😀

2 Kommentare
  1. Sandra
    Sandra sagte:

    Das sieht extrem (!) kalt aus da! 2 Fragen dazu an dich dazu. 1. wie muss man sich kleiden, um nicht nach 30 Minuten steif gefroren zu sein (hattest du spezielle Kleidung? Wenn ja: welche?) und 2. wie lange wart ihr draußen an solchen Tagen?

    Liebe Grüße! 😉

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    • blumfotografie
      blumfotografie sagte:

      Hallo 😀
      Die Kleidung ist jetzt unten verlinkt und an den Tage waren wir immer von 9:00 Uhr bis 13:00 Uhr auf dem Gletscher, weil das Wetter sehr schlecht war. Die Gondel wäre aber auch nur bis 17:00 Uhr gefahren.

      Antworten

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