Bevor ich die Reise zum Elbrus in den Kaukasus angetreten habe, wusste ich noch nicht, was auf mich zukommt. Da es eine geführte Tour vom Reiseveranstalter mit Transport, Bergführer und allem anderen, was man so für eine Expedition auf einen 5000er braucht, war, habe ich es mir nicht sehr viel anders vorgestellt wie die Monte Rosa Tour in der Schweiz, die ich nur ein Jahr zuvor gegangen bin.

Was mich dort in Russland allerdings erwartet hat, kann ich bis heute noch nicht so richtig realisieren. In diesem Beitrag möchte ich dir einmal erzählen, wie die Tour, die Menschen und die Infrastruktur in Russland im Gegensatz zu der in der Schweiz oder Österreich ist. Mache dich also auf etwas gefasst, denn wir reisen jetzt zurück in die Vergangenheit.

Die ersten Eindrücke von Russland bekam ich nachts im Flughafen von Moskau. Nachdem ich meinen Anschlussflug verpasst und bis 1:00 Uhr warten musste, hatte ich ein wenig Zeit, mich dort einmal genauer umzusehen. Da ich nach knappen 4 Stunden Flug mit 2 Stunden Verspätung jedoch sehr müde war, setzte ich mich an’s Ende vom Terminal und skypte mit meiner Familie.

Viel zu entdecken gab es am Flughafen ohnehin nicht. Viele Einkaufsläden, Restaurants und einige Informationsschalter. Der Unterschied zum Frankfurter Flughafen war neben der Größe und Sprache nicht zu erkennen. So richtig los ging es allerdings am nächsten Tag auf dem Weg nach Azau. Während ich mich in den Alpen immer und überall wie zu Hause fühle, war ich während der Fahrt nach Azau eher aufgeregt als das ich mich gefreut habe. Ist aber auch kein Wunder, wenn man als einziger Deutscher in einem Bus voller fremden Menschen sitzt.

Mein Fahrer holte mich ab, war sehr nett und ließ mich auf der 3 Stündigen Fahrt, bei der ich neben ihm saß, auch schlafen. Was ein Glück ; ) Neben dem Fakt, dass er wie ein verrückter fuhr, waren die Straßen manchmal mehrere Kilometer lang leer. Nur ein paar Stationen der Behörden standen am Straßenrand. Schwerbewaffnete Polizisten standen teilweise auf einsamen Wiesen und hielten uns einmal an. Alles verlief glatt und sie ließen uns, nachdem sie unsere Reisepässe geprüft haben, weiterfahren.

Bergdorf in Russland




Während der Fahrt durch die verschiedensten Städte und Dörfer fielen mir vor allem die alten Autos auf, welche so aussahen, als wären sie vor 50 Jahren gebaut worden. Die Häuser waren meist total runtergekommen, die Tankstellen waren gleichzeitig auch die Schlafplätze der Tankwärter mit ihren Familien, überall gab es Straßenhunde und die alten Leute liefen mit ihren Kuhherden im Dorf über die Straßen.

Als wir vor so einer Kuhherde standen, dachte unser Fahrer wahrscheinlich keine einzige Sekunde an’s langsamer fahren oder anhalten. Er drehte sein Lenkrad einfach kurz nach rechts, fuhr über dem Bürgersteig an den Kühen vorbei und fuhr dann mit einer scharfen Linkskurve nur wenige Zentimeter vor einer Kuh wieder auf die Straße.

Die Menschen und Städte, durch die wir hindurch gefahren sind, sahen alle sehr arm aus. Es gab zum Beispiel keine richtigen Klamotten, die für die relativ kühlen Temperaturen geeignet wären. Die Leute, die dort wohnten, zogen sich einfach ein Kopftuch und mehrere Decken an und brachten mit diesen Klamotten ihre Kühe in den Stall, während unsere Koffer voll mit Funktionskleidung bepackt waren.

Neben den Menschen und den Lebensverhältnissen sieht im Kaukasus natürlich auch die Landschaft ganz anders aus. Die Landstraßen führen an steilen Hängen vorbei, sind manchmal bis zur Hälfte mit Steinen vom Steinschlag zugeschüttet und haben keine Leitplanken. Während es bei uns in den Alpenländern Städte, Bergseen, Schluchten und Autobahnen gibt, konnte ich dort fast ausschließlich Graslandschaften sehen, die sich über die Berge und Täler zogen.

Eine Graslandschaft, in der man manchmal Felsen, Wasserfälle und einige Male sogar Schnee sehen konnte. Für mich waren diese Erfahrungen etwas ganz neues. Ich kam mir vor, als wäre ich mit einer Gruppe von Bergsteigern in die Vergangenheit gereist, um den Elbrus fern von allen Touristenströmen besteigen zu können.

Berge in RusslandObwohl wir nur im Auto waren, fühlte ich mich in Azau schon viel wohler. Ich traf einige deutsche Bergsteiger, die den Aufstieg leider abbrechen mussten und unterhielt mich ein wenig mit ihnen. Auch die Menschen aus dem Dorf waren sehr nett. Im Vergleich zu unseren Alpenländern waren sie auf jeden Fall Wortkarger, was jedoch auch daran lag, dass sie nicht so gut Englisch sprechen konnten.

Manche machten aber auch Späße mit uns und hatten richtig Freude daran, sich mit Touristen aus der ganzen Welt unterhalten zu können. Dabei habe ich wieder gemerkt, dass die Menschen in den Bergen fast alle gleich sind. Egal ob Österreich, Schweiz oder Russland. Sie sind alle sehr herzlich und behandeln dich wie ihre eigene Familie.

Ich bin sehr dankbar und froh darüber, dass ich diese Erfahrungen machen durfte, da mir dadurch noch einmal mehr bewusst geworden ist, wie gut wir es hier doch eigentlich haben. Wir haben richtige Häuser zum Schlafen, können mit öffentlichen Verkehrsmitteln durchs ganze Land reisen und haben eine sehr gute Infrastruktur.

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