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Skitouren Anfänger Guide

Wer zum ersten Mal auf Tourenski steht, erlebt etwas, das Pistenfahren kaum bieten kann: die absolute Stille eines verschneiten Berghangs, den eigenen Rhythmus beim Aufstieg und eine Aussicht, die man sich mit jedem Höhenmeter erarbeitet. Skitouren verbinden Ausdauer, Alpinismus und pure Naturerfahrung und zählen damit zu den vielseitigsten Wintersportarten.

Inhaltsverzeichnis

Damit der Einstieg gelingt, ist das richtige Grundwissen wichtig: von der passenden Ausrüstung über die richtige Aufstiegstechnik bis hin zur Lawinensicherheit. Dieser Guide liefert alles, was für die erste Skitour wirklich relevant ist: kompakt, praxisnah und in der richtigen Reihenfolge, damit der Einstieg wunderbar funktioniert.

Was ist Skitourengehen?

Anfänger Skitouren Tipps

Beim Skitourengehen steigt man mit speziellen Tourenski und Skifellen - Kunstfellstreifen, die unter die Ski geklebt werden und das Zurückrutschen am Hang verhindern - eigenständig durch winterliches Gelände auf und fährt anschließend wieder ab. Im Gegensatz zum Skifahren auf der Piste gibt es keine Skilifte, oft keinen präparierten Hang und keine vorgegebene Route. Allerdings gibt es auch bei Skitouren verschiedene Varianten. Ein bestimmtes Gelände ist also nicht vorgegeben.

Der Ablauf einer Skitour folgt dabei immer demselben Grundprinzip. Im Aufstieg gleiten die Ski dank der Felle flach über den Schnee, während spezielle Tourenbindungen die Ferse frei lassen und so eine natürliche Gehbewegung ermöglichen. Am Gipfel werden die Felle abgezogen und die Bindung auf Abfahrtsmodus umgestellt. Dann beginnt der Teil, für den sich der gesamte Aufstieg lohnt. 

Unsere Empfehlung

Wir empfehlen dir zu Beginn einen Skitouren Kurs zu belegen, in dem du die richtige Gehtechnik unter geführter Leitung erlernen kannst.

Für Einsteiger gibt es verschiedene Einstiegsmöglichkeiten, die sich in Schwierigkeit und Risiko deutlich unterscheiden. Die sicherste und empfehlenswerteste Variante für den Anfang ist die sogenannte Pistentour. Dabei verläuft der Aufstieg entlang einer gesicherten Skipiste - meist früh morgens vor dem Liftbetrieb. Dadurch lässt sich die Aufstiegstechnik in gesichertem Gelände erlernen - eine wichtige Basis, bevor es ins freie Gelände geht.

Bin ich bereit? Die ehrliche Selbsteinschätzung

Bevor die erste Skitour geplant wird, lohnt es sich, einen ehrlichen Blick auf drei Faktoren zu werfen: Skifahrkönnen, körperliche Fitness und Erfahrung am Berg. Keiner dieser Punkte muss perfekt sein, aber alle drei zusammen entscheiden darüber, ob der Einstieg sicher und genussvoll gelingt oder ob man sich von Anfang an überfordert fühlt.

Selbst-Check: Bin ich bereit für Skitouren?

Bitte beachte, dass diese Checkliste kein Garant für Sicherheit, sondern eine Einschätzung ist. In den Bergen bist du für deine Sicherheit verantwortlich.

Selbst-Check
Dein Fortschritt 0 / 7
✅ Gut aufgestellt – du kannst loslegen. Du erfüllst wichtige Grundvoraussetzungen. Starte am besten mit einer leichten Pistentour und taste dich Schritt für Schritt vor.
⚠️ Fast bereit – ein paar Punkte fehlen noch. Schau dir die offenen Punkte genau an. Ein Skitourenkurs beim DAV oder einer Bergschule hilft dir, die Lücken zu schließen.
❌ Noch nicht ganz soweit – und das ist völlig okay. Skitouren sind lernbar. Ein Einsteigerkurs gibt dir das nötige Fundament, damit der erste Aufstieg sicher und entspannt gelingt.

Tipp: Falls du dir nicht sicher bist, bist du mit einem Skitourenkurs (ab ca. 120 €) gut beraten – dort werden Aufstiegstechnik, LVS-Suche und Lawinenbeurteilung in einem kompakten Format vermittelt.

Als Vorbereitung für die erste Skitour kannst du dir drei Faktoren anschauen: Skifahrkönnen, körperliche Fitness und Grundwissen am Berg. Beim Skifahren gilt eine sichere rote Piste als Mindestvoraussetzung - besser sogar schwarze Piste - denn wer im Gelände ins Rutschen gerät, für den kann die Abfahrt zur echten Herausforderung werden und große Risiken bergen. In puncto Fitness gilt: Wer 300 bis 500 Höhenmeter Aufstieg in rund eineinhalb Stunden bewältigen kann, bringt eine solide Grundfitness mit.

Auch dein allgemeines Bergwissen solltest du immer frisch und aktuell halten - und genau dafür sind Skitourenkurse des DAV oder von staatlich geprüften Bergschulen gedacht. Wetterberichte, Karten und Lawinenwarnstufen solltest du sicher lesen und einschätzen können, bevor du darüber nachdenkst, ins ungesicherte Gelände zu gehen. Beachte in den Bergen immer, dass du für deine Sicherheit verantwortlich bist.

Die Ausrüstung - Was brauchst du wirklich?

Tipps für die erste Skitour

Wer zum ersten Mal eine Skitour plant, steht schnell vor einer langen Liste mit Ausrüstungsgegenständen und der Frage, was davon wirklich notwendig ist. Die Antwort hängt vor allem davon ab, ob man die Ausrüstung kaufen oder leihen möchte. Für die erste Tour ist Leihen die sinnvollere Wahl. Ein komplettes Leihset aus Tourenski, Bindung, Schuhen und Fellen kostet je nach Anbieter in der Regel zwischen 80 und 120 Euro pro Tag. Es lässt sich unkompliziert in den meisten Alpinschulen, DAV-Sektionen oder gut sortierten Sportgeschäften in den Alpen buchen. Die Preise können dabei variieren.

Wer nach einigen Touren pro Saison merkt, dass Skitourengehen zur festen Gewohnheit wird, für den lohnt sich der Kauf. Ein solides Einsteiger-Set aus Tourenski, Tourenbindung und Tourenschuhen ist ab etwa 800 bis 1.500 Euro erhältlich. Dazu kommen Felle, die passgenau auf die Ski abgestimmt sein müssen, sowie ein LVS-Gerät, eine Sonde und eine Schaufel für zusammen rund 300 bis 450 Euro.

Kostenübersicht: Skitouren Ausrüstung

Stand: 2026

Kosten 2026
Option Kosten (ca.)
Leihset komplett (1 Tag) Tourenski, Schuhe, Felle, LVS-Set 50 – 80 €
Einstiegs-Kaufset (Ski + Bindung + Schuhe) Einsteiger-Modelle, ohne Sicherheitsausrüstung 800 – 1.500 €
LVS + Sonde + Schaufel (Neuware) Pflicht auf jeder Skitour – auch beim Leihen 300 – 450 €
Gesamtinvestition Einsteiger (Kauf) ab ca. 1.100 – 1.900 €

Tipp: Für die erste Tour lohnt sich Leihen – DAV-Sektionen und Bergschulen bieten Komplett-Sets oft günstiger an als kommerzielle Skiverleih-Shops.

Diese drei Teile sind keine optionale Ergänzung, sondern gehören auf jede Skitour – unabhängig davon, ob es die erste Pistentour oder eine anspruchsvollere Route ist. Das LVS-Gerät sendet im Normalbetrieb Funksignale und ermöglicht im Ernstfall die Ortung Verschütteter in relativ kurzer Zeit.

Sicherheit & Lawinen - Der wichtigste Teil

Lawinengefahr

Kaum ein anderer Punkt beim Skitourengehen ist so wichtig wie dieser. Lawinen sind eine der häufigsten Todesursachen im winterlichen Hochgebirge - und das nicht nur bei extremen Touren. Auch auf Hängen mit weniger Neigung können sich je nach Lage Lawinen lösen. Das Risiko lässt sich zwar auch nicht vollständig eliminieren, aber mit dem richtigen Wissen und der passenden Ausrüstung erheblich reduzieren.

Der erste Schritt ist das tägliche Lesen des Lawinenlageberichts, den die regionalen Lawinenwarndienste kostenfrei bereitstellen. Die Gefahrenskala der Lawinenwarnstufen reicht von Stufe 1 (gering) bis Stufe 5 (sehr groß). Bereits ab Stufe 3 gilt die Gefahr als erheblich, weshalb Einsteiger ohne Erfahrung und Begleitung auf eine Tour unbedingt verzichten sollten. Ergänzend dazu gehören LVS-Gerät, Sonde und Schaufel in jeden Rucksack. 

Lawinenwarnstufen!

Entdecke die 5 Lawinenwarnstufen und erfahre alles, was in diesem Zusammenhang wichtig ist.

Wer diese Grundlagen nicht aus einem Kurs kennt, sollte das nachholen, bevor es ins freie Gelände geht. Der DAV sowie staatlich geprüfte Bergschulen bieten kompakte Einsteigerkurse an, in denen LVS-Suche, Verschüttetenrettung und Geländebeurteilung praxisnah vermittelt werden - oft an einem einzigen Wochenende, sodass man bereits in wenigen Tagen ins Thema reinschnuppern kann.

Aufstiegstechnik - So geht man richtig

Die Aufstiegstechnik beim Skitourengehen folgt einem einfachen Grundprinzip, das sich jedoch erst durch Wiederholung wirklich einschleift. Anders als beim Wandern werden die Ski nicht angehoben, sondern flach über den Schnee geglitten. Dabei wird eine gleichmäßige Schubbewegung aus der Hüfte ausgeführt, bei der die Felle die Arbeit gegen das Zurückrutschen übernehmen. Wer diese Technik verinnerlicht hat, spart enorm viel Kraft und erreicht den Gipfel deutlich entspannter.

Sobald der Hang steiler wird, kommen zwei Hilfsmittel ins Spiel: die Steighilfen an der Bindung, welche die Ferse leicht anheben und somit die Wadenmuskulatur entlasten, sowie die Spitzkehre als zentrales Wendemanöver. Bei der Spitzkehre wird der erste Ski quer zum Hang geschwenkt, die Ferse dient als Pivot, der zweite Ski wird nachgezogen – und schon zeigt man in die neue Richtung. Das klingt simpel, erfordert im praktischen aber einiges an Übung. 

Ebenso wichtig wie die Technik ist das Tempo: Ein gleichmäßig langsamer Rhythmus, bei dem man noch problemlos sprechen kann, ist effizienter als ein zu forsches Anfangstempo, das nach wenigen Höhenmetern in Erschöpfung mündet. Erfahrene Tourengeher sprechen in diesem Zusammenhang von einem „Tourenschritt“: ein bewusst gesetzter, ruhiger Rhythmus, der sich über Stunden aufrechterhalten lässt.

Die Abfahrt - Unterschätzter Teil der Skitour

Skitouren Anfänger Tipps

Beim Vorbereiten einer Skitour konzentrieren sich viele Einsteiger fast ausschließlich auf den Aufstieg – dabei ist die Abfahrt oft mindestens genauso anspruchsvoll. Tourenski sind leichter als Pistenski, die Bindung reagiert anders, und der Schnee abseits präparierter Hänge bietet selten gleichmäßigen Widerstand. Wer das unterschätzt, gerät am Gipfel unter Zeitdruck oder gelangt in Gelände, das die eigenen Fähigkeiten übersteigt.

Bevor es losgeht, muss umgerüstet werden: Felle abnehmen und trocken verstauen, Bindung von Geh- auf Abfahrtsmodus stellen und Steighilfen zurückklappen. Diese Routine mag banal klingen, wird aber gerade bei Kälte und Erschöpfung am Gipfel gerne mal zu einer anstrengenden Angelegenheit. 

Dazu kommt die Schneebeschaffenheit, die abseits der Piste stark variiert. Firn im Frühjahr lässt sich geschmeidig und genussvoll fahren, Bruchharsch hingegen erfordert mehr Kraft und Körperspannung. Pulverschnee ist traumhaft, aber im Tiefschnee muss man mehr Gewicht auf beiden Ski gleichzeitig verteilen als auf der Piste. All das lässt sich lernen – am besten schrittweise, beginnend mit überschaubaren Hängen und bekanntem Gelände.

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