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Wanderung aufs Laufbacher Eck
Nachdem ich zuvor schon einige Nächte in der Schwarzenberghütte verbracht habe und in der Daumengruppe unterwegs war, wollte ich an diesem Tag nochmal eine neue, etwas längere Tour gehen. Am Abend zuvor saß ich mit zwei anderen Wanderern, die auch schon seit ein paar Tagen in den Bergen unterwegs waren, in der Hütte zusammen und sprach mit ihnen über schöne Tourenmöglichkeiten.
Neben der Wanderung auf den kleinen Daumen und die Besteigung des Nebelhorns, welche ich beide schon gemacht habe, kamen wir auch auf das Laufbacher Eck zu sprechen. Stefan erzählte mir, dass der Aufstieg zum Laufbacher Eck besonders schön sein sollte, da diese Tour nur wenige Wanderer kennen und auch gehen. Wie ihr mich kennt, gibt es meiner Meinung nach keine besseren Bedingungen als diese. Also war klar, dass mich meine nächste Tour zum Laufbacher Eck führen sollte.

Nach einem Porridge und warmen Kakao am nächsten Morgen, ging ich aus der Hütte raus und sah, dass der Himmel wolkenlos war. Die perfekte Möglichkeit, auf's Laufbacher Eck zu wandern! Da ich in der Schwarzenberghütte geschlafen habe, musste ich zunächst über den asphaltierten Weg zurück zum Giebelhaus absteigen. Schon hier hatte ich traumhafte Blicke auf die Berge, welche an den Gipfeln von den ersten Sonnenstrahlen getroffen wurden.
Auch einige Wanderer konnte ich schon sehen, bevor ich am Giebelhaus ankam, wo auch schon so langsam die ersten Busse eintrafen. Um nicht von Menschenmassen überrannt zu werden, schaute ich nur kurz auf die Schilder, sah, wo lang ich gehen müsse und folgte diesem Weg über eine kleine Brücke an den läutenden Kuhglocken vorbei bis in ein Waldstück.
Durch das kleine Waldstück ging es in Serpentine über eine Forstrasse immer weiter nach oben. Schon einige Tage zuvor bin ich hier entlang gewandert, als ich das Prinz Luitpold Haus am Fuße des Hochvogels besucht habe. Die Strecke war im Herbst besonders schön, da die Blätter über meinem Kopf bunt verfärbt waren, ich die Wasserfälle durch die Bäume sehen konnte und einige Eichhörnchen die Straße kreuzten.

Nach einer kurzen Zeit mündete der Forstweg in einen kleinen Pfad. Hier gab es einige Almen und Hütten, in denen jedoch keiner mehr wohnte. Über Stock und Stein musste ich von dort aus immer weiter aufsteigen. Der Blick zurück ließ mich erstaunen, als ich das Nebelmeer im Tal sehen konnte und die Bergspitzen, welche aus diesem emporragten, noch vom Sonnenaufgang lila gefärbt waren.
Dies gab mir einen kleinen Motivationsschub. Ich wollte schnell oben sein, um auch noch ein paar Bilder vom Sonnenaufgang machen zu können. Allerdings hätte ich auch dort schon darauf kommen können, dass ich es niemals schaffen würde, da ich noch einen weiten Weg vor mir hatte. Das war mir zu diesem Zeitpunkt jedoch zum Glück noch nicht bewusst.

Also wanderte ich immer weiter durch einige Latschenkiefern und an Felsen vorbei, bis ich kurz vor einer Hütte der Bergwacht stand. Dort gab es einen kleinen Fluss, aus dem ich mir etwas zu trinken holen konnte. Bei den Temperaturen und der Sonneneinstrahlung, die mittlerweile herrschte, war dies mehr als notwendig!
Es sah schon echt verblüffend aus, wie diese eine kleine Berghütte der Bergwacht dort oben vor einem wunderschönen Panorama stand. Wahrscheinlich passiert in dieser Region öfters etwas, da sich auch die Höfats ganz in der Nähe befindet. Sie konnte ich später auch vom Gipfel aus sehen. Ein wirklich beeindruckender Berg!
Zuerst hieß es aber immer weiter aufsteigen. Mir wurde langsam wirklich warm, sodass ich sogar den Pullover ausziehen konnte, obwohl ich noch im Schatten war. Als ich nach einiger Zeit an einem kleinen Gatter ankam, konnte ich von dort aus zwei Gämsen beobachten, die etwas weiter unten an einem Hang standen.
Als sie mich entdeckten, blieben sie zunächst einige Sekunden stehen, rannten dann aber ganz nach unten und auf der anderen Seite über Geröllfelder wieder hoch. Wenn ich auch nur so schnell wäre, dann müsste ich mich dort in der Sonne nicht so sehr abstrampeln ; )

Was mir trotz der Anstrengung auffiel, war, wie wenige Menschen dort unterwegs waren. Insgesamt traf ich vielleicht drei Wanderer während der gesamten Tour. Jedoch war die Landschaft nochmal um einiges beeindruckender. Der Weg führte über ein riesiges Geröllfeld entlang einer Felswand bis zu einem Plateau, von dem aus ich einen Helikopterlandeplatz der Bergwacht und ein kleines Zelt sehen konnte.
Ich vermute, dass dort vor allem im Winter häufiger Lawinen runterkommen, weshalb es vielleicht so ein wichtiger Standort der Bergwacht ist. Nachdem ich ein paar Bilder der Rettungsstelle gemacht habe, musste ich nur noch ein paar Serpentinen nach oben gehen. Schon von dort unten habe ich mir ausgemalt, wie schon wohl der Ausblick von dem kleinen Sattel dort oben sein müsste.
Und das war er auch! Vom Nebelhorn über die Zugspitze und bis zu einem vergletscherten Berg in der Schweiz konnte ich ein wunderschönes Panorama genießen. Das Beste daran war, dass ich wirklich komplett alleine dort oben war. Keine anderen Menschen oder Tiere waren in diesem Moment in meiner Nähe.
Um auch das Laufbacher Eck in mein Gipfelbuch eintragen zu können, ging ich vom Sattel aus einige Meter nach rechts und erreichte nach einer Minute den Gipfel. Ein kleiner aber dafür atemberaubender Gipfel, auf dem ich in der Sonne saß und den Blick über die Allgäuer Alpen genießen konnte.



