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Weitwandern in Finnland

Finnland ist eines der wildesten Wanderländer Europas. Mit seinen über 180.000 Seen, den ausgedehnten Taigawäldern und den mehr als 40 Nationalparks bietet es Weitwanderern eine einzigartige Naturkulisse. Besonders ist dabei das sogenannte Jedermannsrecht: Es erlaubt jedem, sich frei in der Natur zu bewegen, kurzzeitig zu zelten und Beeren oder Pilze zu sammeln.

Inhaltsverzeichnis

Auf klassischen Routen wie der Bärenrunde durch den Oulanka-Nationalpark oder dem Hetta-Pallas-Weg in Finnisch-Lappland lässt sich diese Freiheit hautnah erleben. Die Wege führen durch Moore, entlang reißender Stromschnellen und über offene Fjälllandschaften, die im Herbst während der Ruska-Saison in leuchtendem Rot und Gold erstrahlen.

Warum Finnland das perfekte Ziel für Weitwanderer ist

Weitwandern in Finnland

Kaum ein Land in Europa vereint so viel unberührte Natur auf so wenig besiedelter Fläche wie Finnland. Mit nur etwa 18 Einwohnern pro Quadratkilometer - zum Vergleich: In Deutschland sind es rund 234 - bleibt hier echte Wildnis übrig, die nicht nur auf dem Papier existiert, sondern auf jedem Kilometer spürbar ist. Dazu kommt ein gut ausgebautes Netz an markierten Wanderwegen, Schutzhütten und offiziellen Feuerstellen. Ein Wanderurlaub in Finnland wird so zu einem echten Wildnisabenteuer.

Anders als in Regionen wie den Alpen erfordert das Weitwandern in Finnland kaum bergsteigerische Erfahrung, denn das Gelände ist überwiegend flach bis sanft hügelig. Der höchste Berg Finnlands ist übrigens der Haltitunturi mit einer Höhe von 1.324 Metern. Moorniederungen, dichte Birkenwälder und kristallklare Bäche wechseln sich in einem Rhythmus ab, der sich nach wenigen Tagen auf dem Wanderweg fast meditativ anfühlt. 

Das solltest du über Weitwandern in Finnland wissen

Drei Fakten, die das Weitwandern in Finnland von anderen Zielen in Europa abheben:

  • Das Jedermannsrecht erlaubt es, sich in der Natur frei zu bewegen, kurzzeitig zu campen und Beeren sowie Pilze zu sammeln
  • Finnland hat über 40 Nationalparks mit Schutzhütten und markierten Fernwanderwegen
  • Die Routen sind überwiegend flach - ideal für Einsteiger und erfahrene Weitwanderer

Gut zu wissen

Die beste Reisezeit für Weitwandern in Finnland ist Juni bis Oktober. Wer die Ruska-Saison im September erleben möchte, wenn die Wälder Lapplands in Rot und Gold leuchten, sollte früh planen - die Hütten sind dann stark nachgefragt.

Hinzu kommt ein klimatisches Phänomen, das Finnland von anderen Wanderzielen abhebt: die Mitternachtssonne. Im Hochsommer geht die Sonne im Norden des Landes über Wochen nicht unter - Wandern um Mitternacht im Tageslicht ist also möglich. Im Herbst wiederum verwandelt die Ruska-Saison die Landschaft innerhalb weniger Wochen in ein Farbspektakel aus Orange, Rot und Gelb, das Fotografen und Naturliebhaber gleichermaßen in seinen Bann zieht.

Beliebte Fernwanderwege in Finnland im Detail

Finnland hält für Weitwanderer eine bemerkenswerte Bandbreite an Routen bereit - von kompakten Mehrtageswegen mit gut ausgestatteter Hütteninfrastruktur bis hin zu echten Expeditionsrouten, die sich über mehrere Wochen durch fast menschenleere Wildnis erstrecken. Die bekanntesten Wege befinden sich oft im Norden des Landes, wo Nationalparks, Fjälllandschaften und dichte Taigawälder eines der eindrucksvollsten Wandergebiete Nordeuropas bilden.

1. Karhunkierros (Bärenrunde)

Der Karhunkierros, auch Bärenrunde genannt, ist der vielleicht bekannteste Weitwanderweg Finnlands. Er führt auf 82 Kilometern durch den Oulanka-Nationalpark im Nordosten des Landes. Die Route verbindet dramatische Schluchten, tosende Stromschnellen, wie den Kiutaköngäs-Wasserfall, und ruhige Birkenwälder zu einem Weg, der landschaftlich kaum Wünsche offenlässt. Gut ausgebaute Hängebrücken und regelmäßig platzierte Schutzhütten machen ihn zu einer der angenehmsten Optionen für Weitwanderer in Finnland.

Länge
80 km
Dauer
4–6 Tage
Schwierigkeit
Mittel
Startpunkt
Hautajärvi / Ruka
Beste Zeit
Mai - September
Nationalpark
Oulanka

Erfahrene Wanderer absolvieren die Strecke oftmals in vier bis fünf Tagen; wer das Tempo etwas drosselt und die Umgebung bewusst auf sich wirken lassen möchte, sollte sechs Tage einplanen. Wer weniger Zeit mitbringt, kann auf die Kleine Bärenrunde, den sogenannten Pieni Karhunkierros, ausweichen. Dieser 12 Kilometer lange Tagesweg führt ebenfalls durch den Oulanka-Nationalpark und zeigt einige der schönsten Abschnitte der großen Route in kompakter Form.

2. Hetta-Pallas-Weg

Weitwandern Finnland

Der Hetta-Pallas-Weg zählt zu den schönsten Fernwanderwegen Lapplands. Er ist knapp 50 Kilometer lang und verbindet die Gipfel der Fjälls mit dem Pallas-Yllästunturi-Nationalpark, einem der ältesten und größten Schutzgebiete Finnlands. Die Route verläuft oft oberhalb der Baumgrenze durch offene Tundragebiete, was ihr eine besondere Weite und Stille verleiht, die auf bewaldeten Wegen kaum so intensiv erlebt werden kann. Unterwegs kann man mit Glück einige Rentierherden sehen, die untrennbar mit dieser Landschaft verbunden sind.

Länge
50 km
Dauer
4-5 Tage
Schwierigkeit
Schwer
Startpunkt
Hetta (Enontekiö)
Beste Zeit
Juli - September
Nationalpark
Pallas-Yllästunturi

Wer die Route im September geht, erlebt die Ruska-Saison in ihrer vollen Pracht - die Tundra leuchtet dann in tiefen Rot- und Orangetönen, während die Nächte bereits klar genug für die ersten Nordlichter sind. Mit einer Gehzeit von vier bis fünf Tagen und einer gut ausgebauten Hütteninfrastruktur eignet sich der Weg auch für Weitwandereinsteiger, die echte Lappland-Atmosphäre suchen, ohne auf Sicherheit und Orientierung verzichten zu müssen.

3. Susitaival

Der Susitaival ist einer der schönsten Weitwanderwege Nordkareliens. Er ist 93 Kilometer lang und verbindet das Dorf Möhkö bei Ilomantsi mit dem Patvinsuo-Nationalpark bei Lieksa. Die Route führt durch helle Kiefernwälder, über bewaldete Kämme mit teils felsigen Passagen und durch ausgedehnte Moorlandschaften - ein Landschaftsmix, der den Weg trotz überschaubarer Höhenunterschiede konditionell anspruchsvoll macht. Vier Fährüberfahrten über Flüsse und Bäche sind fester Bestandteil der Streckenerfahrung.

Länge
93 km
Dauer
6-8 Tage
Schwierigkeit
Schwer
Startpunkt
Möhkö, Ilomantsi
Beste Zeit
Mai – Oktober
Region
Nordkarelien

Entlang der Route sorgen Schutzhütten und Feuerstellen für eine solide Infrastruktur, die mehrtägige Etappen ohne Zelt ermöglicht. Mit rund 1.200 Höhenmetern im Auf- und Abstieg sowie stellenweise schwer begehbaren Abschnitten richtet sich der Susitaival vor allem an erfahrene Weitwanderer, die Einsamkeit und unberührte Natur einem komfortablen Wandererlebnis vorziehen.

4. Pogostan Kierros

Der rund 87 Kilometer lange Pogostan Kierros ist eine Rundroute, die um das Kirchdorf Ilomantsi in der östlichsten Gemeinde Finnlands, die direkt an der russischen Grenze liegt, führt. Er verknüpft eigenständige Teilrouten und führt durch eiszeitlich geprägte Kammlandschaften, stille Kiefernwälder und ausgedehnte Moorgebiete, die den Charakter Nordkareliens auf besonders eindrückliche Weise widerspiegeln. Entlang der Strecke informieren historische Tafeln über die Region.

Länge
87 km
Dauer
4–5 Tage
Schwierigkeit
Mittel
Startpunkt
Ilomantsi / Möhkö
Beste Zeit
Mai – Oktober
Charakter
Rundtour

Mit einer Gesamtgehzeit von rund 26 Stunden ist die Route gut in vier bis fünf Tagen zu bewältigen. Mehrere Schutzhütten und Feuerstellen bieten eine solide Infrastruktur. Technisch bewegt sich der Pogostan Kierros überwiegend im mittleren Schwierigkeitsbereich. Die Rundtour lässt sich an mehreren Punkten starten und führt anschließend wieder zum Startpunkt zurück.

5. Teilstrecken des E6

Der Europäische Fernwanderweg E6 beginnt im finnischen Kilpisjärvi im äußersten Nordwesten des Landes und führt über Schweden, Dänemark, Deutschland, Österreich, Slowenien und Griechenland bis in die Türkei - insgesamt rund 6.000 Kilometer. Damit markiert Finnland buchstäblich den Startpunkt eines der längsten Fernwanderwege der Welt, was der Region um Kilpisjärvi eine besondere symbolische Bedeutung verleiht. Der finnische Abschnitt verläuft von Kilpisjärvi bis nach Turku durch die Landschaft.

Gesamtlänge E6
ca. 6.000 km
Startpunkt
Kilpisjärvi
Endpunkt
Türkei
Länder
FI · SE · DK · DE · AUT · SVN · GRC · TUR
Markierung FI
Nicht durchgängig
Beste Zeit
Juli - August
Der finnische E6-Abschnitt ist nicht betreut und nur lückenhaft markiert. Gute Navigationskenntnisse und Offline-Karten sind Pflicht.

Wer den E6 ab Kilpisjärvi wandern möchte, sollte jedoch wissen, dass der finnische Abschnitt offiziell nicht durchgängig markiert ist, da es keine Organisation mehr gibt, die sich in Finnland um die Pflege des Weges kümmert. In der Praxis bedeutet das: Wanderer benötigen gute Navigationskenntnisse, Offline-Karten und Erfahrung im Umgang mit unmarkiertem Gelände.

Beste Jahreszeit für Weitwandern in Finnland

Fernwanderwege Finnland

Grundsätzlich lässt sich in Finnland das ganze Jahr über wandern, doch die schneefreie Zeit von Juni bis Oktober gilt als klassische Saison für Weitwanderungen. Im Hochsommer bringt die Mitternachtssonne in Lappland besondere Bedingungen mit sich: Zwischen Mitte Mai und Ende Juli geht die Sonne nördlich des Polarkreises gar nicht unter, sodass Wanderungen rund um die Uhr möglich sind. Der Preis dafür sind allerdings die Mücken. Besonders im Juli sind sie auf feuchten Moorabschnitten und in Waldniederungen allgegenwärtig, weshalb ein guter Insektenschutz zur Grundausstattung gehört.

Wer auf Mücken verzichten möchte, aber trotzdem Finnland von seiner schönsten Seite erleben will, reist am besten im September. Dann verwandelt die Ruska-Saison die Wälder und Tundralandschaften Lapplands binnen weniger Wochen in ein leuchtendes Farbenspiel aus Rot, Orange und Gelb - ein Naturschauspiel, das in dieser Intensität in Mitteleuropa kaum zu finden ist. Die Nächte werden bereits kühl und klar genug für erste Nordlichter, die Hütten sind weniger ausgebucht als im Hochsommer und die Wege spiegeln bereits die ruhige Stimmung des nahenden Winters wider.

Praktische Tipps zum Weitwandern in Finnland

Eine solide Vorbereitung ist für eine Weitwanderung in Finnland wichtiger als spontane Entscheidungen unterwegs. Reservierungspflichtige Hütten, sogenannte „varattava tupa”, müssen vorab über den Dienst des finnischen Forstamts gebucht werden, während kostenlose Notunterkünfte ohne Anmeldung genutzt werden dürfen. Trinkwasser lässt sich auf den meisten Routen direkt aus Bächen und Seen entnehmen; ein einfacher Wasserfilter schafft dabei zusätzliche Sicherheit.

Da der Mobilfunkempfang auf abgelegenen Strecken oft schwach oder gar nicht vorhanden ist, sind Offline-Karten über Apps besonders hilfreich. Warme Kleidung sollte auch im Hochsommer im Gepäck sein, da die Temperaturen in Lappland selbst im Juli nachts auf wenige Grad fallen können. Der europaweit einheitliche Notruf 112 ist auch in Finnland gültig. Zusätzlich empfiehlt sich die kostenlose App „112 Suomi”, die den eigenen Standort automatisch an die Leitstelle übermittelt.

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