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Whiteout in den Bergen
Ein Erlebnis, von dem ich schon lange erzählen wollte, war es, wo wir während der Elbrus Überschreitung in Russland auf ca. 5.000m plötzlich im Whiteout verschwanden und darin gefangen waren. Es war tatsächlich ein mulmiges aber auch sicheres Gefühl zugleich, als wir keine 10m mehr schauen konnten und mehrere Stunden nichts anderes außer den eisigen Wind hörten.
Alles begann an einem ganz normalen Morgen, so wie er am höchsten Berg Europas eigentlich immer ist. Nach dem Aufstehen machten wir uns fertig, haben mit ein paar Plastiktonnen Wasser aus dem nächstgelegenen Gletscherfluss geholt und frühstückten dann. Währenddessen konnten wir unseren Tag planen, welcher als wichtige Vorbereitung für den Gipfel diente.
Am Tag vorher stiegen wir schon bis zum Prijut 11 auf und konnten dort die erste Höhenluft schnuppern. Außer etwas Pochen im Kopf während dem Abstieg verlief dabei alles glatt. Der Schnee war sehr griffig, es war nicht so viel los und unsere gesamte Gruppe mit stolzen drei Mitgliedern war bestens gelaunt.
Wir planten also unseren Tag und wollten zur Vorbereitung bis zu den Pastuchov Felsen aufsteigen. Allerdings war schon beim Wasserholen klar, dass uns das Wetter an diesem Tag vermutlich im Stich lassen würde. Wie so oft war der Gipfel des Elbrus in Wolken umhüllt und zeigte sich nicht. Da unser einheimischer Bergführer allerdings bestätigte, dass wir eine Tour unternehmen könnten, machten wir uns wegen den Gewitterwolken keine Sorgen mehr.

Nach dem Frühstück packten wir unsere Rucksäcke zusammen, füllten nochmal die Thermosflaschen mit heißem Tee auf und zogen unsere Steigeisen an, bevor es wieder Schritt für Schritt nach oben ging. An diesem Tag war nicht so viel los. Einige Bergsteiger kamen im Basecamp an, ruhten sich dort aus und andere wiederum machten, genauso wie wir, eine Akklimatisierungstour.
Nach wenigen Stunden kamen wir schon an der Prijut 11 an und machten dort oben unsere erste Pause. Die Prijut 11 ist das ehemalige höchste Hotel Russlands, welches im Jahre 1998 durch ein vom Kocher verursachtes Feuer komplett ausbrannte und später neu errichtet wurde.
Nachdem wir ein paar Riegel gegessen haben und ein paar Schlücke vom sehr leckeren Tee nahmen, ging es nun weiter. Schon von der Prijut 11 aus konnte man sehen, dass die Felsen weiter oben in Nebel umhüllt waren und die Bergsteiger in diesem langsam verschwanden.

Auch wir gingen gefühlt nicht länger als eine halbe Stunde, bevor die ersten Schneeflocken auf den Boden fielen und die Sicht mit der Zeit deutlich schlechter wurde. Da unser Bergführer allerdings mehr als entspannt war, machten wir uns auch keine Sorgen und genossen die Zeit am Elbrus.
Umso höher wir kamen, umso schlechter wurde auch die Sicht. Etwa 200m unterhalb der Pastuchov Felsen drehten die ersten Bergsteiger um und brachen damit ihre Akklimatisierungstouren ab. Ob es nun mit dem Wetter oder ihrer eigenen Fitness zu tun hatte, konnten wir in dem Moment noch nicht beurteilen.

Was wir jedoch wussten, war, dass das Wetter vermutlich immer schlechter werden würde. Der Nebel zog sich sehr schnell zu und der Schneefall wurde immer stärker, bis wir schließlich im totalen Whiteout gefangen waren. Die Kälte war dabei nicht unser größtes Problem.
Der Wind, welcher mehrere Stunden aus einer Richtung in unsere Ohren wehte, machte uns so langsam wahnsinnig. Obwohl wir im totalen Flow waren und den ganzen Tag im gleichen Tempo weitergehen könnten, gab uns unser Bergführer das Zeichen, dass wir eine Pause einlegen würden.
Durch diesen Flowartigen Zustand, fühlte ich mich auch im totalen Whiteout und Schneesturm auf knappen 5.000m sehr wohl. Meine Beine taten nicht weh, ich hatte keine Kopfschmerzen und die Finger waren auch noch nicht erfroren. Besser hätte es eigentlich nicht sein können.

Nichtsdestotrotz rief unser Bergführer einen Freund an und bat diesen, ihm den genauen Wetterbericht für die nächsten Stunden durchzugeben. Worüber genau sie redeten, weiß ich bis heute noch nicht, da unser Bergführer nur Russisch sprechen konnte.
Dass es jedoch etwas mit dem Wetter zu tun haben müsste, merkten wir daran, dass wir nur noch eine halbe Stunde weitergingen. Genau am unteren Ende der Pastuchov Felsen brachen wir unsere Tour ab und drehten langsam wieder um. Der Schneesturm wurde immer heftiger und warf uns mit dem Wind förmlich den Berg hinunter.
Als wir aus dem Whiteout draußen warn und in der warmen Hütte etwas essen konnten, war ich wieder froh und dankbar darüber, dass wir einen so guten Bergführer mit dabei hatten, der uns in genau solchen Momenten zur Seite stehen konnte.



