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Elbrus Überschreitung Teil 2
Am dritten Tag der Tour ging es bis auf 4.100m zum Prijut 11. Wie es Liza empfohlen hat, sind wir nur sehr langsam aufgestiegen, damit wir, wie der Bayer sagt, das Schnaufen im Griff haben.
Der Rhythmus ging nach dem Motto: Schritt, Atmen, Schritt, Atmen. Diese Technik fand ich ziemlich gut, weil wir dadurch keine großen Pausen benötigten und somit auch schnell vorangekommen sind.

Um ehrlich zu sein habe ich von der Höhe auch nicht viel gespürt. Erst, als wir beim Prijut 11 angekommen sind und wieder absteigen wollten, habe ich leichte Kopfschmerzen verspürt, die im Basislager jedoch wieder nachgelassen haben. Das Wetter war an dem Tag ganz okay. Es war zwar ein wenig bewölkt, hat aber zum Glück noch nicht gestürmt und geschneit.
Der Weg zum Prijut 11 sah aus wie eine Skipiste, auf der sogar Leute in Jeans bis auf über 4.000m aufsteigen konnten. Von diesem Punkt an habe ich mich nicht mehr gewundert, weshalb jedes Jahr einige Menschen auf dem Elbrus ums Leben kommen. Es waren sogar viele Leute alleine unterwegs, was, wie uns unsere Bergführerin erzählt hat, schon oft zu tödlichen Unfällen geführt hat.

Mit diesen Gedanken im Hinterkopf war ich vor allem im Nachhinein froh, dass ich eine Bergführerin zur Hilfe mit dabeihatte, die den Elbrus wie ihre eigene Westentasche kennt.
Der Abend nach dem Aufstieg zum Prijut 11 verlief sehr entspannt. Wir haben noch etwas gegessen und mit einem Franzosen, der alleine im Zelt unterwegs war, UNO gespielt. Nachts, als ich meine Zähne geputzt habe, konnte ich einen Fuchs sehen, der die Müllsäcke der Hütte aufreißt, um auch noch ein paar Schokoriegel ergattern zu können ;)
Das Wetter wurde abends leider immer schlechter. Es fing mächtig an zu schneien und zu gewittern, was zur Folge hatte, dass wir am nächsten Tag bis auf 4.700m gehen wollten und dann aber wegen dieser Wetterverhältnisse unterhalb der Pastuchov Felsen abbrechen mussten. Die Sicht war wirklich schlecht und der Schnee blies mit einer so starken Geschwindigkeit von einer Seite mehrere Stunden in unsere Ohren, dass wir uns dazu entschieden haben nicht weiterzugehen.

Unserer Gruppe ging es trotz des schlechten Wetters sehr gut. Am nächsten Tag hatten wir einen Ruhetag, an dem wir uns die fantastische Umgebung anschauen konnten. Ich konnte nur noch staunen: weite Schneefelder, eisige Gletscher und umgeben von atemberaubenden Bergen.
Abends planten wir mit der Bergführerin den weiteren Tourenverlauf. Die Wettervorhersage sah an dem Abend sehr schlecht aus, weswegen wir zwei weitere Ruhetage einlegen mussten, am dritten Tag aber war klar, morgen geht es endlich los zum Gipfel!
Wir packten noch am selben Abend unsere Rucksäcke und bereiteten uns aufgeregt für den langersehnten Gipfelsturm vor. Eine Suppe noch und wir gingen alle früh schlafen, denn schon um 1:30 Uhr wurden wir von Liza geweckt. Ich konnte sowieso vor Aufregung fast kein Auge zumachen in dieser Nacht.
Alles ging nun sehr schnell. Ein kurzes Frühstück, eine schnelle „Katzenwäsche“ und dann ab auf das Schneemobil, mit dem wir bis auf 4.700m fahren sollten.
Das Wetter war eher gewöhnungsbedürftig. Auf der kurzen Fahrt mit dem Schneemobil gerieten wir in einen heftigen Schneesturm und mussten, in 4.700 Metern angekommen, schnell unsere Steigeisen anziehen.
Nun führte der Weg zu Fuß in Serpentinen und unter dem Licht der Stirnlampen zunächst bis auf 5.100m. So weit oben wurde das Wetter immer besser. Der Schnee verschwand letztendlich und schon um 3:00 Uhr ging die Sonne auf. Diese Farben, die ich dort oben beim Sonnenaufgang gesehen habe, habe ich noch nie zuvor in meinem Leben gesehen.
Es war einfach nur grandios auf 5.100m anzukommen und diesen unfassbar beeindruckenden Sonnenaufgang zu beobachten. Mit den ganzen Bergsteigern, die ich unterhalb des Plateaus auf 5.100m sehen konnte, erinnerte mich dieses Bild schon ein wenig an den Mount Everest.

Nach ein paar Bildern, einem Schokoriegel und einem heißen Tee stiegen wir Stück für Stück auf. Der Weg bis zum letzten Gipfelanstieg zog sich sehr in die Länge.
Die Stimmung in der Gruppe war bis dorthin auch eher bedrückt, weil wir bis zu einem bestimmten Zeitpunkt den Gipfel erreichen mussten, um auch wieder rechtzeitig im Tal ankommen zu können.

Dann auch noch ein Unfall in einer anderen Gruppe, die wenige Meter vor uns unterwegs waren. Eine Teilnehmerin konnte vor lauter Kälte (und vermutlich falschem Schuhwerk) nicht mehr weitergehen. Sie lag wimmernd im Schnee und Liza versuchte zu helfen.
Wir gingen weiter, vorbei an der Gruppe, und kamen im Sattel zwischen dem Ost– und dem Westgipfel an. Die Stimmung war nun besser, denn jeder spürte, dass wir den Gipfel jetzt bald endlich erreichen. Wir deponierten unsere Rucksäcke im verschneiten Sattel um den steilen und letzten Anstieg ohne die schwere Last bewältigen zu können.
An Fixseilen führte der verschneite Weg nun ungefähr eine Stunde steil nach oben auf das Plateau. Unter uns sah ich den Nebel, die eisigen Weiten und perfektes Gipfelwetter begleitete mich. Traumhaft!
Während dem letzten Aufstieg vom Plateau zum Gipfel, der ungefähr nochmal 30 Minuten entfernt liegt, trafen wir viele andere Bergsteiger. Die Aufregung und Vorfreude waren jedem ins Gesicht geschrieben.

Dann plötzlich war der 5.642m hohe Gipfel des Elbrus erreicht. Juhuu! Ein Traum ist für mich in Erfüllung gegangen. Vor lauter Freude fielen uns alle in die Arme und euphorisch gaben wir uns alle ein „High Five“, denn jeder war stolz hier zu sein. Es gab heißen Tee, viele Umarmungen und ich hielt diesen Lebenstraum für mich in unzähligen Fotos fest.
Das wir wirklich den Gipfel einer der 7 Summits erreicht haben, konnte ich jedoch erst nach dem 3.000 Höhenmeter langen Abstieg, weiteren sechs Stunden Autofahrt und während des langen Rückfluges nach Deutschland realisieren…



