Julian Witting

Instagram:@julianwitting

Nach der Schule entschied sich Julian Witting anfangs dazu Maschienenbau an der RWTH Aachen zu studieren. Das war aber nicht das, was Julian erfüllte. Bereits mit 15 Jahren hatte er dank seines Ski Vereins die Möglichkeit zur Skilehrerausbildung bekommen.

Skifahren und Fußball war schon immer das, was er liebte. Beide Dinge zur gleichen Zeit zu machen würde jedoch auch nicht funktionieren, weshalb er sich später für den Beruf als Skilehrer entschied!

Neben dem Beruf als Skilehrer, hat sich Julian mit der Zeit eine riesige Community im Internet aufgebaut, welche er mit hilfreichen Tipps und Tricks zu besseren Skifahrern macht.

Mittlerweile arbeitet Julian Witting als Ski Youtuber und gehört mit über 20.000 Youtube Abonennten und über 10.000 Instagram Followern zu den größten Bergsport Kanälen in ganz Deutschland.

Faszination Berge: Auch wenn schon das Skifahren mit Kunden als Traumberuf bezeichnet werden kann, macht das Fahren mit Freunden, die auf dem gleichen Niveau sind doch um ehrlich zu sein viel mehr Spaß. Haben Skilehrer überhaupt Zeit dafür? Das Bier auf der Hütte muss schließlich auch von irgendwas bezahlt werden 😉

Julian Witting: Das Skifahren mit Freunden ist immer etwas ganz Besonders. Das Schöne an meiner Situation ist, dass ein Großteil meiner besten Freunde auch im Ski Social Media Geschäft tätig sind, sodass wir unsere Zeit beim gemeinsamen Skifahren direkt auch zum Produzieren von Content für unsere Zuschauer nutzen können. Es ist für mich ein Traum, diese Emotionen, die beim Skifahren mit meinen Freunden aufkommen, mit meinen Zuschauern teilen und meine Community fürs Skifahren und einen sportlich-bewussten Lifestyle motivieren zu dürfen.

Allerdings muss ein Tag oder ein Kurztrip mit den Freunden abseits des Social Media Lebens auch mal sein. Meiner Meinung nach ist es essentiell wichtig, sich bewusst Zeit für seine Freunde zu nehmen, um die Freundschaft zu pflegen. Und wo könnte man das besser machen als beim Skifahren, wo man ein Feuerwerk der positiven Emotionen miteinander teilen darf.

Für mich ist es aber genauso ein Genuss mit meinen Gästen unterwegs zu sein. Ich kann von jedem Gast, der in mein Coaching kommt, eine Menge lernen – einmal mit welcher Methodik, ich meinen Gast am effektivsten zu seinem Ziel begleiten darf und andererseits über das Leben, da jeder Mensch eine andere Story hat. Da meine Gäste ausschließlich über Social Media oder Weiterempfehlung kommen, sind wir stets auf einer Wellenlänge, da meine Gäste mich nicht buchen würden, wenn ich ihnen aus meinen Videos nicht sympathisch wäre.

Und um jetzt die Frage eindeutig zu beantworten: Ja, es ist möglich, es ist meiner Meinung nach nur eine Frage, wie hoch man die gemeinsame Zeit mit Freunden und Familie auf den Skiern priorisiert. Ich zum Beispiel habe mir in der vergangenen Saison eine ganze Woche für meine Freunde und einen gemeinsamen Skiurlaub Zeit genommen.

Faszination Berge: Nach einem langen Tag auf Skiern spüren die meisten Leute am Abend die Oberschenkel und gehen deswegen am nächsten Tag zum Wellness. Erst durch Training kann man zu dem Punkt kommen, an dem man auch mal zwei oder drei Wochen täglich Skifahren kann. Wie sieht das bei dir aus? Trainierst du überhaupt für’s Skifahren oder haben Skilehrer da ein Wundermittel für?

Julian Witting: Die Frage ist bei mir genau richtig aufgehoben – haha. Der Skisport ist durch Carving Skier und tolle Angebote am Berg abseits des Skifahrens ein ideales Reiseziel für Jedermann geworden. Die Skitechnik ist schnell auf gerockten Carving Skier gelernt und so hat man je nach persönlichem Fitnessstand (Koordinationsfähigkeit, Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Schnelligkeit) innerhalb weniger Tage den Dreh raus, um kontrolliert blaue und vielleicht schon rote Pisten zu bewältigen.

Wenn ich in die Skigebiete schaue, fällt mir auf, dass hier auch schon viele Skifahrer ihre Entwicklung in der Skitechnik beenden. Wenn man also einigermaßen gut überall runterkommt, gilt man schon als guter Skifahrer.

Im Grunde genommen kristallisieren sich hier zwei Grundprobleme raus, die in Verletzungen im Knie, in Schultern und in Kollisionsunfällen münden können. Wie der aufmerksame Leser hier schon sieht: bei allen drei Verletzungen ist man selber der gemeinsame Nenner. D.h., dass man bei Schicksalsschlägen sicher keine Verantwortung trägt, bei vielen anderen Verletzungen und das sind der Großteil der Verletzungen aber schon:

Das fängt bei der persönlichen Fitness an. Skifahren ist ein moderates Kraft-/ Kraftausdauertraining, das zudem eine gute Grundlagenausdauer verlangt. Zudem brauchen wir ein gewisses Maß an Schnelligkeit je nach dem wie schnell wir fahren, um immer kontrolliert fahren zu können. Und für müssen die Skitechnik ausführen können, dazu müssen wir beweglich sein und vorher die nötigen Bewegungserfahrungen gesammelt haben – die sogenannte Koordinationsfähigkeit erlernt haben. Leider beobachte ich immer wieder, dass sich viele Skifahrer, die 7 – 14 Skitage in der Saison haben, sich auf den Skiurlaub wie auf einen Sommerurlaub auf Mallorca vorbereiten. Also so gut wie gar nicht.

Genau für solche Skifahrer, die keine Zeit oder Lust haben, sich selber in die Sportwissenschaft einzuarbeiten und ins Fitnessstudio zu gehen, habe ich die FitForSki.de Online Programme entwickelt, sodass jeder Skifahrer sich maximal effektiv, in kurzer Zeit auf das Skifahren von zu Hause nur mit einer Wasserkiste vorbereiten kann.

Im Skiurlaub angekommen, geht es mit der Skitechnik weiter. Meiner Meinung nach kann man von einer kontrollierten Fahrweise sprechen, wenn man in jedem Augenblick sofort stehen bleiben kann. Das kann ich nur, wenn ich die Kontrolle über meine Skier habe. Da jedoch ein Großteil der Skifahrer nicht sauber

in mittiger Position auf den Skiern stehen und zudem von den Carving Skiern verleitet werden, schneller zu fahren, als sie es kontrollieren können, hat die Anzahl der Kollisionsunfälle und die Knie, sowie Schulterverletzungen seit Einführung der Carving Skier zugenommen (Ich beziehe mich hier auf eine Studie SIS). Hier empfehle ich ganz klar das Tempo den eigenen Fähigkeiten anzupassen bzw. an der Skitechnik kontinuierlich zu arbeiten, sodass man mit viel Spaß ohne Verletzungen bis ins hohe Alter das Skifahren kann.

Wenn man sich, wie ich, für den Beruf des Skilehrers entscheidet, ist man von Grund auf von Sport begeistert, sodass Sport zum Alltag gehört. Was ich leider auch bei vielen KollegenInnen beobachte, ist, dass das Krafttraining vernachlässigt wird. Das ist meiner Meinung nach fatal, da unsere Muskulatur nicht nur unsere Bewegungen ausführt, sondern uns bei Stürzen und Kollisionen Schutz für unsere Gelenke, Bänder und Sehnen bietet. Übrigens Bänder und Sehnen werden nachweislich mit einem funktionalen, sauber ausgeführten Krafttraining gestärkt.

Faszination Berge: In einem deiner Videos hast du mal erzählt, dass du über 100 Skitage in einer Saison gesammelt hast. In den Kommentaren gab es unter anderem auch Nachrichten wie „Harz iv und der Berg gehört dir😂  – Zeit bräuchte man.“
Hattest du in der Saison nur gute Bedingungen wegen dem Schnee, lag es an einer aktuellen Situation oder sind so viele Skitage für Skilehrer ganz normal?

Julian Witting: Haha, ein Kollege von mir hat in der letzten Saison sogar über 200 Skitage gesammelt. Da bin ich mit meinen 100 Tagen noch moderat unterwegs.

Je häufiger man eine Tätigkeit ausführt, desto besser wird man in der Tätigkeit – das hat schon Arnold Schwarznegger gesagt. D.h. wenn man viel Ski fährt und im besten Fall auch mit regelmäßigen Fremdanalysen arbeitet, wird man seine Fähigkeit zwangsläufig verbessern können.

Da Skifahren eine der technisch anspruchsvollsten Sportarten ist und Skischüler zu einem Großteil vor allem im jungen Alter über Nachahmung lernen, ist es umso wichtiger, dass der Skilehrer die richtigen Bewegungen demonstrieren kann. Daher ist es für uns Skilehrer sehr wichtig viel am Ski zu stehen.

Ich hatte jetzt das zweite Jahr in Folge so viele Skitage, da sich so meine Anfragen für Coachings, meine Skicamps und Videoprojekte mit meinem eigenen Training neben sonstigen Aufgaben unter einen Hut bekommen ließen. Für selbstständige Skilehrer ist dieses Maß an Skitagen und auch noch ein viel höheres Maß (wenn man zum Beispiel ausschließlich über Coachings sein Einkommen bezieht) ganz normal.

Für den Großteil der Skilehrer, die gelegentlich in Skischulen, im Skiverein oder Skiverband aushelfen und einen anderen Hauptberuf haben, sind eher 20 – 80 Skitage realistisch.

Faszination Berge: So schön sich der Beruf als Skilehrer auch anhört. Gibt es neben den unzähligen tollen Dingen auch Schattenseiten oder Dinge bzw. Situationen, die dir überhaupt kein Spaß machen?

Julian Witting: Wie schon oben erwähnt, freue ich mich über jeden Gast, da es für mich immer eine Freude ist, Skifahrer aus meiner Community kennenzulernen und in der Skitechnik zu pushen. Für mich ist der Kontakt zu meinen Leuten ganz besonders wichtig, da ich mein Angebot und Produkte für genau diese Menschen immer weiter verbessern möchte.

Wo Licht ist, ist allerdings auch Schatten, genauso wie unsere Schwächen ein Spiegel unserer Stärken sind. Das auf den Skisport und den Beruf des Skilehrers gemünzt bedeutet eine enorm hohe physische und mentale Beanspruchung für einen kurzen Zeitraum.

Die Saison ist zwar in unseren Breitengraden offiziell von Oktober bis Mai, aber die Musik spielt hauptsächlich von Januar bis März, da dort die Nachfrage für die Contentproduktion der Social Media Kanäle und für gesponserte Projekte, Coachings oder Skicamps am höchsten ist. Da mein Fokus auf dem Aufbau meiner Social Media Kanäle liegt und ich auch die Projekte mit meinen Partnern seriös abwickle, bedarf es dann nach dem Skifahren häufig auch noch etlicher Bürostunden.

Das bedeutet für einen kurzen Zeitraum eine große Belastung, wo kaum Zeit bleibt, die eigenen Akkus wieder aufzuladen.

Ich liebe es in diesen Zeiten am Limit zu arbeiten, da ich der Meinung bin, dass Grenzerfahrungen zu Wachstum führen. Allerdings wünsche ich mir manchmal insgeheim, dass sich die Skisaion mehr über das ganze Jahr verteilen könnte, sodass zum Beispiel die Familie und Freunde nicht so sehr zurückstecken müssten, wie sie es gerade tun.

Natürlich ist diese Herausforderung wiederrum eine Chance zum Wachstum. So erweitere ich gerne mein Team, sodass ich nicht nur entlastet werde, sondern wir noch mehr Output produzieren können. Ich bin super gespannt, wie ich diese Wachstumshürde meistern werde.

Faszination Berge: Du bist ja nicht nur Skilehrer, sondern auch Ski Youtuber. Wie lange dauert es denn, bis so ein Video hochgeladen werden kann? Neben dem Filmen gibt es ja auch noch viele andere Dinge, die da enorm viel Zeit rauben.

Julian Witting: Von der Konzeptionierung bis zum fertigen Video dauert es circa einen ganzen Tag. Das ist ein Durchschnittswert. Ein VideoBlog oder ein aufwendiges Review eines Gebiets kann auch schon mal eineinhalb bis drei Tage in Anspruch nehmen, während ein Tutorial eines Themas, das man vielleicht beim letzten Coaching erarbeitet hat, nur drei Stunden benötigt.

Faszination Berge: Bei deinen Videos gibt es sehr oft spektakuläre Aufnahmen, die in vielen deiner Zuschauer die Liebe zum Skifahren wieder wecken.
Um so tolle Aufnahmen hinzubekommen, benutzt ihr auch viele Geräte wie Kameras, die Drohne und ein Gimbal. Stört dich die ganze Technik beim Fahren manchmal auch?

Haha, zum Glück nur den Filmer 😀 Ja, das Skifahren benötigt an sich schon viel Equipment, aber wenn man das Ganze noch emotionsgeladen einfangen werden soll, dann wird es ganz wild. Das große Problem ist, dass die Technik für die Bedingungen im Winter nicht konzipiert worden ist und somit am Limit arbeitet. Es ist ein ganz schmaler Grat viel zu viel oder zu wenig Equipment mitzuschleppen. Genau wenn man auf ein Teil verzichtet, merkt man just an diesem Tag, dass man es doch super hätte gebrauchen können.

Das ist übrigens auch eine enorme Eintrittsbarriere für Mitwerber J Macht das Leben als Ski YouTuber aber nicht einfacher.

Faszination Berge: Die Frage, die sich wohl jeder stellt, wenn er deine Videos guckt. Wie kannst du dir das ganze Skifahren finanzieren? Reichen die Einnahmen von Youtube oder arbeitest du auch noch mit Sponsoren zusammen, die dir auch im Sommer ein Gehalt zahlen?

Julian Witting: Dann lass ich jetzt mal die Hosen runter 😀 Mir war von 2014 an besonders wichtig, möglichst mehrdimensional zu denken und somit kein Geschäftsmodell, dass dem Kunden helfen kann, außer Acht zu lassen. Wenn ich dem Kunden Nutzen gebe, ist der Kunde auch an meinen Fortbestand interessiert und bereit, den von mir gegebenen Nutzen zu vergüten – ein ganz normales Tauschgeschäft in unserer Marktwirtschaft – Nutzen gegen Geld.

Wie schon bereits erwähnt, gehören Coachings und Skicamps in Kooperation mit der Schischule Glungezer unter meinem Ski Mentor Dominic Ebenbichler zu meinen Einkommensquellen. Ferner helfe ich meinen Kunden mit den FitForSki.de Online Programmen, fit und verletzungsresistent fürs Skifahren zu werden.

Da meine Kunden auch großen Wert auf meine Meinung legen, arbeite ich mit Empfehlungsmarketing. D.h. wenn ich einen Ski, Helm oder Skigebiet in einem Video bewerte und das Produkt mir gefällt, findet man häufig auch Links zu den Produkten unter meinen Videos oder auf meiner Homepage. Hier erhalte ich für die Empfehlung eine Provision.

Sponsorings und Produktplatzierung von Sportartikelherstellern, Tourismusverbänden, Herstellern von alkoholfreien Sportlergetränken stellen auch eine interessante Verdienstmöglichkeit da. Hier arbeite ich nur mit Firmen zusammen, hinter denen ich mit meinen Namen stellen kann.

Und meine letzte Einkommensquelle sind Firmen- bzw. Projektbeteiligungen wie zum Beispiel bei der World Skiers League.

Faszination Berge: Was machst du am liebsten im Urlaub? Hast du, obwohl du über 100 Skitage pro Saison hast immer noch Lust auf die Berge, zieht dich dann doch eher das Meer an oder machst du was ganz anderes?

Julian Witting: Im Winter wird Ski gefahren und dafür braucht es Berge – haha. Im Sommer fahre ich sehr gerne Mountainbike und geh Wandern. Die Berge haben einfach etwas Mystisches an sich und sind ganz nebenbei ein grandioser Spielplatz, wo die Verbindung zu Natur mitinbegriff ist. Wenn es um Erholung geht, lege ich mich gerne in die Sonne am See oder Meer und lasse die Beine einfach mal baumeln und genieße gutes Essen, mit guten Leuten bei erfrischenden Getränken.